Marti, Reto: Antike Geografie und das Regnum Francorum: Überlegungen zu den Namen von Liestal und Balsthal, in: Jahrbuch Archäologie Schweiz 105 (2022), 47–70.

Zusammenfassung:

Der Name von Liestal, heute Hauptort des Kantons Basel-Landschaft, muss in frühmittelalterlicher Zeit entstanden sein. Seine bisherige Deutung, die mit dem Grundwort -tal argumentiert, ist unbefriedigend. Zuerst wird gezeigt, dass der Name auf *Liocht-stal, die ‹lichte/erhöhte Stelle› zurückgehen dürfte – eine Bezeichnung, die für den erhöht und mitten im Ergolztal gelegenen Ort perfekt zutrifft. Das Grundwort -stal (Stand, Stelle, Wohnsitz) liegt vermutlich auch dem Ort Balsthal jenseits des Jura zugrunde, das mit Liestal nicht nur die Lage am wichtigen Pass über den Oberen Hauenstein teilt. Vermutlich sind die beiden Bezeichnungen, ebenso wie die sie umgebenden frühmittelalterlichen Orte mit Endung -dorf, das Ergebnis fränkischer Namengebungsprozesse. Ferner werden die Indizien dargelegt, die für ein spätantikes Strassenkastell in Liestal sprechen. Die antike Bezeichnung des Ortes ist wohl mit dem beim ‹Geographen von Ravenna› aufgeführten «Frincina» gleichzusetzen.

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